Zeiss Batis 1.8/85 vs Sony G OSS 90mm F2.8

Index 

Introduction

INDEX

Mit der Verfügbarkeit des Zeiss Batis 1.8/85 und des Sony G OSS FE90 F2.8 steht für viele die Frage nach dem optimalen Portraitobjektiv für das Sony E-Mount System im Raum. Da ich primär Portraitfotografie betreibe galt auch für mich diese Frage zu klären. Als ich von vielen Seiten nach meinen Erfahrungen mit den beiden Objektiven gefragt wurde, habe ich beschlossen diese in meinem Blog weiterzugeben. Alle Aufnahmen wurden an einer Sony A7RII gemacht.


Build Quality

INDEX

Der erste Eindruck zählt, so auch bei Objektiven. Das Zeiss wird im Otus typischen Design hergestellt und macht einen sehr wertigen Eindruck. Der Fokus Ring ist gummiert und das Gehäuse ist aus Metall gefertigt. Enttäuschend ist, dass die Gegenlichtblende aus Plastik ist. Schalter und Tasten gibt es keine, dafür ziert ein LED Display das Objektiv und gibt Informationen über Fokusentfernung und Schärfentiefe preis. Positiv fällt auf, dass die Linse trotz der Größe (105mm x 75mm) mit 475g relativ leicht ausfällt. Die LED-Anzeige ist vor allem bei Dämmerung sehr nützlich. Der Fokusring arbeitet für ein Autofokus Objektiv sehr präzise und weich.

 

Das Sony G OSS FE90 F2.8 kommt nicht ganz so pompös verpackt daher. Dafür ist im Lieferumfang zusätzlich ein Objektivköcher enthalten. Die Verarbeitung ist hochwertig und Sony-typisch, auch wenn das Objektiv in Sachen Verarbeitungsqualität nicht mit dem Zeiss mithalten kann. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt  und die Gegenlichtblende ist auch aus Plastik. Ebenfalls aus Plastik sind die verbauten Schalter. Als hervorragend umgesetzt empfinde ich die AF/MF Einstellung. Diese wird durch vor- bzw. zurückziehen des Fokusringes geregelt. Der Fokusring an sich arbeitet gut, auch wenn die Fokussierung mit dem Batis noch präziser und weicher geht. Negativ fällt der Objektivdeckel auf, da könnte Sony durchaus nachlegen.

Das Objektiv an sich fällt mit 130,5mm x 79mm relativ groß aus, ist aber mit 602g noch fast  leicht.

Zum Vergleich das Nikon Nikkor AF-S 105mm 2.8G ist 82 x 116mm groß und ganze 750g schwer.

Bei der Build Quality ist das Zeiss Batis 1.8/85 der klare Gewinner, auch wenn die des Sony nicht schlecht ist.

In Sachen manueller Fokussierung können beide Objektive nicht mit dem Fokus eines Zeiss Loxia mithalten, aber dafür sind es ja auch Autofokus Objektive.

 

Image Quality

Sharpness

INDEX

Zum Vergleich der Bildschärfe habe ich Testchart Aufnahmen in drei Zonen Mitte (A) / Rand (B) / Ecke (C) über die Blendenstufen (F1.8-F11) hinweg gemacht und gegenübergestellt.

In Zone A sind beide Objektive auch an einer A7R MII extrem scharf.  Jedoch bleibt festzustellen, dass das Sony bis Blende F5.6 einen Tick schärfer abbildet. Ob der Unterschied in einem reellen Szenario sichtbar ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Anders sieht es dann schon bei Zone B aus, hier bildet das Sony schon sichtbar schärfer über den ganzen Bereich hinweg ab.

Der Unterschied wird bei Zone C noch deutlicher, die Schärfe des Sony erreicht das Batis bei keiner Blende.  Grund für diesen Abfall ist eine ausgeprägte Bildfeldwölbung beim Batis. Fokussiert man nicht auf die Mitte, sondern auf Zone C ist der Unterschied nicht mehr so deutlich und spätestens ab F5.6 sind beide Linsen wieder gleich auf. 

Pixelpeepen ist letztlich nicht entscheidend, wichtiger ist was man im Bild hinterher sieht. Von der Schärfe, gerade im Portraitbereich, sollte sich der sichtbare Unterschied in Grenzen halten, vor allem da eine gleichbleibende Schärfe über den gesamten Bildbereich, zumindest on Location, sekundär wäre. Was man jedoch deutlich sieht ist der höhere Kontrast des Sony.

Im Bereich Schärfe  schlägt das Sony G OSS 90mm F2.8 eindeutig das Zeiss Batis 1.8/85.

 

(left to right Zone A | Zone B | Zone C)

Verzeichnung

INDEX

Das Zeiss Batis hat eine sehr ausgeprägte kissenförmige Verzeichnung. Diese kann mit Kamerainternen Korrekturen // Post Processing gut auskorrigiert werden und wirkt dann nicht mehr störend.

Das Sony ist in Sachen Verzeichnung nicht auffällig und kann weitestgehend ignoriert werden.

Im Bereich Verzeichnung ist das Sony der Gewinner. In der Praxis dürfte dies jedoch nicht ins Gewicht fallen, da mit Objektivkorrektur die Verzeichnung beim Batis auf 0,2% sinkt.

Chromatic Aberrations (CA)

INDEX

Leichte Farblängsfehler sind beim Zeiss bis F4 nicht korrigiert sichtbar. Mit eingeschalteter Objektivkorrektur sind die Farblängsfehler verschwunden.

Das Sony zeigt auch nicht korrigiert kaum Farbfehler.

In diesem Bereich hat das Sony wieder die Nase vorn.

 

 

(left to right chromatic aberrations Zone C Zeiss | Sony) 

 

Vignette

INDEX

Die Vignettierung ist wahrscheinlich die größte Schwäche des Zeiss. Bei F1.8  fällt die Bildhelligkeit zum Rand hin um über 60%. Erst ab F8 ist diese dann weitestgehend verschwunden. Das Sony hat bei F2.8 einen leichten Helligkeitsabfall, welcher beim Abblenden auf F4 weitestgehend ausgeglichen ist.

Das Sony schneidet auch hier besser ab.

 

Autofocus

INDEX

Der Autofokus funktioniert bei beiden Linsen an der A7RMII auch bei schlechten Lichtverhältnissen sehr gut, dabei muss jedoch festgehalten werden, dass das Zeiss schneller und zuverlässiger funktioniert. 

Der leichte Vorteil hier liegt beim Zeiss

Bokeh

INDEX

Alleine durch etwas geringere Randschärfe und den etwas geringeren Kontrast fällt das Bokeh des Zeiss ruhiger und weicher aus.  Dazu kommt dass die Unschärfekreise beim Sony gern ein Zwiebelmuster zeigen. Durch 9 Blendenlamellen werden bei beiden Objektiven Unschärfekreise auch abgeblendet kreisförmig dargestellt.

 

 

(left  to right - Batis@F1.8 | Batis@F2.8 | Sony@F2.8)

 

 

(left  to right - Batis@F1.8 | Batis@F2.8 | Sony@F2.8)

 

(left  to right - Batis@F1.8 | Batis@F2.8 | Sony@F2.8)

Der 3D Pop ist beim Zeiss deutlich höher. Die Fokusebene fällt steiler ab und erzeugt dadurch die bessere räumliche Wirkung.

In Frage Bokeh gewinnt klar das Zeiss, es hat die angenehmere und weichere Unschärfe. Zusätzlich  hat das Batis die größere Blende.

 

(left  to right - Batis@F1.8 | Batis@F2.8 | Sony@F2.8)

 


Conclusions

INDEX

Zusammenfassend ist es nicht eindeutig welche Linse die Bessere ist. Das Sony G OSS 90 F2.8 ist schärfer und hat weniger optische Fehler, dafür ist der Autofokus langsamer, ist größer und schwerer. Das Zeiss Batis 1.8/85 erreicht nicht die optische Leistung des Sony, dafür hat es das deutlich bessere Bokeh und 3D-Pop, die bessere Verarbeitung, ist leichter und kleiner und hat die höhere Lichtstärke.

 

Welches Objektiv jetzt das Richtige ist, hängt klar vom Einsatzzweck ab.

  • braucht man  eine reine Portraitlinse und arbeitet viel on Location, wo Lichtstärke und Bokeh entscheidend sind, kommt man um das Batis nicht herum.
  • Arbeitet man viel im Studio und benötigt Makro-Fähigkeiten, ist das Sony zweckmäßiger

 

Ich arbeite viel on Location und benötige ein gutes Freistellungspotential. Makros brauche ich nur für Produktfotografie und Ringfotos bei Hochzeiten. Meine Wahl, wenn ich mich entscheiden müsste, läge beim Zeiss Batis und einer preiswerten manuellen Alternative für den Makrobereich. Da ich mein Sony G OSS 90mm F2.8 recht günstig gebraucht erstehen konnte, bin ich in der glücklichen Lage jetzt auf beide Linsen zurückgreifen zu können. Das Zeiss Batis 1.8/85 für on Location Shootings und das Sony für Makro-und Studioarbeiten.

Empfehlen kann ich beide Objektive uneingeschränkt.

 


 

Additional Samples

INDEX

Zeiss Batis 1.8/85

Sony G OSS 90mm F2.8

 

External Links

 

Tags: ZEISS SONY BATIS MACRO MAKRO 90MM 85MM VERGLEICH TEST BOKEH SHARPNESS CA F1.8 F2.8 FE A7RII A7RM2