Leica 35mm vs Sony 35mm vs Voigtländer 35mm

Index

 

Einführung

Im Sony E-Mount ist der Bereich mit 35mm am Besten vertreten und doch stellt sich nicht so recht das Gefühl ein, gefunden zu haben, was man gesucht hat. Es gibt allein bei den nativen Objektiven 3 Vertreter:

  • Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA (SEL35F14Z)

  • Zeiss Loxia 2/35
  • Sony Zeiss Sonnar 2.8/35

Das Sigma 1.4/35 Art unterstützt mittels Sigma Adapter Autofocks und Eye-AF, zudem lassen sich unzählige 35mm per Adpater manuell betreiben.

Der Bereich um 35mm ist bei mir ein sehr beliebter Bereich und daher habe ich bereits viele 35mm längerfristig genutzt. Zum Beispiel war das Sigma 35mm F1.4 Art 2,5 Jahre mein ständiger Begleiter. Das Zeiss Loixa 2/35 habe ich ein halbes Jahr lang genutzt und viele tausend Fotos damit geschossen.

Jeder hat unterschiedliche Anforderungen an die Optiken. Für mich spielt die Größe eine nebensächliche Rolle, jedoch gilt je kleiner desto besser. Generell bevorzuge ich lichtstarke Optiken, hauptsächlich in der People Fotografie aber auch unterwegs für Architektur und Landschaften. Es ist gut wenn die Objektive Autofokus bieten, ich benötige dies vorallem bei Events. Jedoch wird das kommende Sony G Master 24-70 F2.8 den Bereich sehr gut ausfüllen, was mich wieder offen für manuelle Objektive macht. Ich lege viel Wert auf ein gutes Rendering und schönes Bokeh, weshalb ich mich von meinem Zeiss Loxia 2/35 getrennt habe, welches durchaus gute optische Qualitäten hat aber im Bereich Bokeh eher versagt hat. Dies führt mich zu den doch ungewöhnlichen Vergleichskanditaten für diesen Test.

  • Voigtlaender Ultron F1.7/35
  • Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA (SEL35F14Z)
  • Leica Summicron 2/35 Version IV the "King of Bokeh"

Die Objektive werden dabei an einer Sony A7RM2 getestet. 

Wie komme ich zu dieser Auwahl? Das Sony ist groß und schwer, ist dafür mit F1.4 am lichtstärksten, hat mit gut 30cm die kürzeste Naheinstellgrenze, hat Autofokus und verspricht optisch hervorrangende Eigenschaften.
Das legendäre Leica Summicron 2/35 wird seit 1958 gebaut und wurde seither immer wieder verändert. Zum Test stellt sich hier die Version 4, auch the "King of Bokeh", welche die Letzte vor der aktuellen ohne aspherische Elemente ist. Was ich optische von der fast 40 Jahre alten Linse an der Sony A7RM2 mittels Metabones Adapter erwarten kann, weiß ich noch nicht, aber auf die Qualitäten im Bereich Rendering und Bokeh bin ich sehr gespannt.
Last but not least das Voigtländer Ultron 1.7 / 35mm. Ich habe sehr viel Positives über die Linse in verschiedenen Fotoforen gelesen, was mich neugierig auf dieses Objektiv gemacht hat. Es wird ebenfalls mittels Metabones Adapter betrieben.

 


 

Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA (SEL35F14Z)

 

 


Alles fing mit den Weihnachtsangeboten bei Amazon an, als ich dieses mit einem satten Rabatt von 20% erstehen konnte. Wäre alles wie gehofft verlaufen, würde es diesen Blog in der Form nicht geben, von daher betrachten wir es als etwas Gutes. Die Linse ist sehr schwer und recht groß, meine Küchenwage bescheinigt ein stolzes Gewicht von 704g. Das Gehäuse ist aus Metall und die Gegenlichtblende ein Mix aus Metall und Plastik. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Innere des Objektives mehr Plastik als Metall ist. Die Blende lässt sich mit einem großen Blendenring verstellen. Bei Bedarf ist es möglich die Rastung der Blende auszuschalten und diese stufenlos und geräuschlos anzupassen. Dies sollte vorallem für Filmer interessant sein, wobei zu Bedenken gilt, dass selbst im manuellen Betrieb der Fokus elektronisch gesteuert wird.

Der Schalter zum Umstellen der Declick Funktion ist das erste Anzeichen mangelnder Qualität. Bei meinem Exemplar ist der Schalter schon defekt, so rastet dieser nicht richtig ein und es passiert, dass der Klick versehentlich deaktiviert wird, wodurch sich die Blende versehentlich verstellt. Sehr ärgerlich und bei mir leider sehr häufig passiert. 

 

Wenn ich ein neues Objektiv erhalte, wird dieses erst einmal anhand von Testcharts "vermessen", um schlicht zu wissen mit wem ich es zu tun habe und ob irgendwelche Mängel festzustellen sind. Bei diesem Exemplar sprangen mich diese direkt an. Der Rand auf der rechten Bildseite wurde schlechter abgebildet als der Rand der linken Seite. Dies bedeutet, dass die Linse dezentriert ist (Fertigung 01/2016).  Ich habe bei Amazon ein Austauschexemplar geordert, welches auch prompt zwei Tage später bei mir eintraf (12/2015). Das erschreckende Ergebnis war, dass die Linse noch schlechter war, als die, die ich bereits hatte. Ich habe das Austausch Exemplar wieder an Amazon zurückgesendet und einen weiteren Versuch unternommen. Wieder zwei Tage später traf das zweite Exemplar bei mir ein. Dieses war auf dem gleichen schlechten Level wie das erste Austauschgerät. Ich rief also bei Amazon an und vereinbarte die Reparatur des ersten, bisher auch besten, Kanditaten. Die Linse wurde über Amazon an die Firma Geissler gesendet, welche für Service Aufträge für Sony zuständig ist. Eineinhalb Wochen später war das Objektiv mit der Fehlerbeschreibung "Fehler konnte nicht gefunden werden" wieder bei mir. Ich kontaktierte die Firma Geissler, da ich den Fehler weiterhin bei mir reproduzieren konnte. Diese baten mich dann die Linse erneut zusammen mit meiner Kamera einzuschicken, um auszuschließen, dass der Sensor nicht plan ist. Auch dies tat ich und weitere eineinhalb Wochen später rief mich ein Techniker an und teilte mir mit, dass der Fehler zwar sichtbar und nachweisbar ist, aber innerhalb des Toleranzbereiches liegt, welcher von Sony vorgegeben wird. Ich möchte dies nicht weiter kommentieren und den geneigten Leser sich selbt eine Meinung zu der gelebten Praxis bilden lassen.

 


 

Leica Summicron 2/35 "The Bokeh King"


Das Leica ist nahezu winzig. Wie klein das Teil ist, realisiert man eigentlich erst, wenn man das Objektiv dem "Monster" Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA (SEL35F14Z) gegenüberstellt. Was will man zur Qualität sagen? Zum einen ist das Gehäuse aus massiven Metall und der Blendeneinstellring ist aus Plaste und wirkt fast zerberechlich, aber zum anderen ist das Objektiv schon 30 Jahre alt und die Qualität kann von daher so schlecht am Ende auch nicht sein. Mein Exemplar wurde in Canada gefertigt, wie die meisten Leica Summicron 2/35 Version 4 pre Asph. 

Das Objektiv ist ganze 160g leicht. In Verbindung mit dem Metabones Adapter kommt man auf 245g. Die Streulichtblende ist suboptiomal, da sich der Objektivdeckel nicht mehr aufsetzten lässt. Die Fokusierung ist weich, mit genau dem richtigen Widerstand. 

Mir persönlich ist das Objektiv zu klein, so lässt sich der Blendenring nicht blind verstellen, auch ist mir der Wechsel der Linse zu klein und fummelig. Ich hatte Angst, dass mir das Objektiv beim Wechsel kaputt geht.

 


 

Voigtländer Ultron F1.7/35mm

Der letzte im Bunde, das Voigtländer Ultron 1.7/35, ist ebenfalls sehr klein und leicht (325g mit Metabones Adapter), aber nicht so fummelig wie das winzige Leica. Es ist bis auf die Front- und Rückdeckel massiv aus Metall gefertigt und macht einen sehr stabilen und wertigen Eindruck. Das Objektiv gewinnt in meinen Augen keinen Schönheitswettbewerb, vor allem mit aufgesetzter Streulichtblende. Über Geschmack kann man ja bekanntlich streiten. Die Fokusierung läuft samtweich und präziese, durch die grobere Riffelung ist der Blendenring gut vom Fokusring zu differenzieren und die Optik lässt sich blind bedienen.

Wie auch beim Leica werden keine Objektivdaten an die Kamera gesendet. In dem Fall wird die eingestellte Blende selbstverständlich nicht in den Meta Daten des Bildes auftauchen.

 


 

Bildqualität

Sharpness

Grundsätzlich prüfe ich, wie bereits erwähnt, alle meine Linsen an meiner Testwand. Dabei geht es weniger um Linienpaare, als vielmehr darum, die Optik und ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen. Ich denke die Bildschärfe wird heutzutage überbewertet. Die Schärfe, die viele neue Linsen bringen, ist nur bedingt am resultierenden Bild sichtbar. Mein Testaufbau besteht aus verschiedenen auf DIN A4 gedruckten Testcharts, welche an eine Wand geklebt wurden. So kann ich flexibel den Abstand und die Anzahl wählen, welche am Besten zur getesten Brennweite passen. In dem Fall beträgt der Abstand vom Sensor zur Wand 1.88m. Bei einer parallelen Ausrichtung zur Wand muss der Abstand vom Rand bis zur Mitte des äußersten Testcharts gleich sein. 

Es werden drei Zonen gemessen.

  • Zone A - Mitte
  • Zone B - Rand
  • Zone C - Ecke

 

 

Zone A - die Mitte

Das Sony ist in der Mitte etwas weicher als das Voigtländer, wobei natürlich das Sony offen F1.4 leistet und das Voigtländer "nur" F1.7. Beide sind sehr scharf, da gibt es nichts zu meckern. Blendet man beide Auf F2 ab, kann das Leica mitspielen. Sony und Voigtländer sind auf einem Niveau und das Leica, was mich persönlich sehr erstaunt und ich von einem fast 40 Jahre Objektiv nicht erwartet hätte, ist nur minimal dahinter. 

Ebenfalls erstaunlich ist, dass das Voigtländer das Sony bei F4 in Punkto Schärfe überholt. Bei F8 sind alle Testkandidaten auf einem Niveau, nicht schlecht!

Zone B - der Rand

Hier wird es kritischer das Sony ist aufgrund der leichten Dezentrierung nicht auf der rechten Seite gemessen sondern auf der Linken.

Das Sony ist sogar offen scharf, auch wenn es die Leistung der Mitte nicht erreicht. Beim Voigtländer sieht man einen weichen Rand, aber Schärfe bis zum Rand bei F1.x ist meiner Meinung nach eh nur für Testcharts gut. Das Leica ist bei F2 sehr weich, aber immerhin nicht verschmiert. Beim Voigtländer wird der Rand bei F4 scharf und ab F5.6 sogar schärfer als denn beim Sony. Das Leica Objektiv wird nie richtig über die gesamte Bildfläche hinweg scharf.

Zone C - die Ecke

Sony's Bildecke ist selbst bei offenblende Scharf, wogegen das Voigtländer leicht verschmiert, was auch erst ab F2.8 aufhört. Das Leica ist in der Ecke bei F2 unbrauchbar und benörtigt ebenfalls zwei Blendenstufen, bis sich dies gibt. Bei F4 ist Leica verschmiert und Sony und Voigtländer zeichnen dann scharf. Wie am Rand wird auch die Ecke beim Leica erwartungsgemäß nie richtig scharf. Das Voigtländer ist bei F8, wie auch am Rand, schärfer als das Sony. Nicht schlecht!


 

Vignettierung

Beim Sony ist keine nennenswerte Vignettierung feststellbar, dagegen ist der Helligkeitsabfall zu den Ecken hin beim Leica und Voigtländer recht deutlich ausgeprägt. Diese lässt sich durch Abblenden gut reduzieren. Beim Leica ist diese jedoch bis F8 minimal sichtbar.


 

Sonstige Objektivfehler

Alle drei Kandiaten haben kaum Verzeichnung.

Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA 

Voigtländer Ultron 1.7/35

Leica Summicron 2/35

Farbfehler sind bei Sony und dem Voigtländer kein Problem, mir sind diese bei keinem Bild negativ aufgefallen. Das Leica dagegen produziert zum Teil schon sehr deutliche chromatische Abberationen. 

Flairs traten beim Voigtländer und Sony auch nicht negativ in Erscheinung, beim Leica waren sie dagegen oft störend.

Alles in allem sind das Sony und das Voigtländer Objektiv optisch sehr sehr gut. Es gibt eigentlich keine wirkliche Schwäche, die in der Praxis negativ auffallen würde. Das Leica performt trotz seines Alters noch recht gut an der A7RM2, aber man muss doch schon mit deutlich sichtbaren Fehlern kämpfen.

 


 

Rendering und Bokeh

Rendering und Bokeh sind für mich das Wichtigste bei Objektiven. Ich fotografiere gern recht offenblendig und diese Eigenschaften sind dabei schlicht entscheidend. Dies sind auch Eigenschaften, die weniger messbar und dafür mehr subjektiv beeinflusst sind. Ich habe versucht diese anhand von drei Szenen vergleichbar zu machen.

Bokeh Balls

Die Eigenschaften der Bokeh Balls ist nicht unerheblich für die Qualität des Bokehs mitverantwortlich, da Unregelmäßigkeit, Strukturen und Zwiebel Ringe (Onion Rings) das Bokeh unruhig machen bzw die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Motiv weg in den out of Focus Bereich lenkt, was so nicht gewollt ist. Die drei Objektive haben neben einer unterschiedlichen Lichstärke auch unterschiedliche Naheinstellgrenzen, was kreative Szenarien einschränkt oder fördert. Die Entfernung und die Blende bestimme am Ende über die Größe der Bokeh Balls.  In meinem Aufbau werden alle 3 Objektive mit Blende F2 getestet und die Fokuseinstellung auf die Entfernung der Linse mit der größten Naheinstellgrenze in dem Bereich. Die Entfernung vom Sensor zu den Lichtquellen beträgt bei allen drei Einstellungen 1,65m die Fokusentfernung liegt bei 70cm, was die Naheinstellgrenze des Leica Summicron 2/35 ist.

 

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    Welches Bokeh gefällt besser? Für die Auflösung der Zuordnung einfach aufklappen.

    A = Voigtländer Ultron 2/35

    B = Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA 

    C = Leica Summicron 2/35

     

Das Leica produziert unrunde, unsymmetrische Bubbles, leichte Strukturen sind in wenig hellen Kreisen sichtbar. Das Sony hat schöne runde Unschärfekreise. Onion Rings sind so nicht sichtbar, aber je nach Helligkeit sind ebenfalls unschöne Strukturen sichtbar. Beim Voigtländer sind die Bubbles oval und frei von Strukturen und Zwiebelringen. Auch wenn die erzeugten Unschärfekreise beim Voigtländer nicht rund sind, schneidet dieses hier am Besten ab. Vor allem in anbetracht der Tatsache, dass aspherische Elemente verbaut sind, welche zum größten Teil für Onion Rings verantwortlich sind, ist das eine sehr gute Leistung.

Bei der nächsten Einstellung ist die Fokusentfernung mit ca 50cm auf die Naheinstellgrenze des Voigtländer angepasst. Die Blende ist mit F1.7 gesetzt.

 

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    A = Voigtländer Ultron 1.7/35

    B = Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA 

     

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Anhand der Aufnahme ist auf dem ersten Blick bereits zu erkennen, welches was ist. Die grundsätzlichen Eigenschaften der Unschärfekreise habe sich nicht verändert. Der Unterschied besteht darin, dass beim Sony die unschönen Strukturen noch deutlicher hervortreten und Zwiebelringe sichtbar werden. An der Stelle ein schwache Kür des Sony.

Die letzte Einstellung zeigt das Sony bei F1.4, die Naheinstellgrenze wurde auf 30cm eingestellt.

Die Onion Rings sind jetzt sichtbar, dafür sind die unangenehmen Strukturen verschwunden, die Bokeh Balls sind im Zentrum rund und oval an den Rändern. Insgesamt ein gutes Ergebnis.

Zusammenfassend muss man sagen, dass die Bokeh Balls beim Voigtländer sehr gut, wenn auch nicht perfekt sind. Das Leica macht auf den ersten Eindruck keine gute Figur, aber wir werden später mehr dazu sehen. Das Sony enttäuscht vorallem bei kleinen Bubbels, große Bubbels sind dagegen in Ordnung.

 

Räumliche Wirkung

Die Beurteilung des Schärfeverlaufes ist schwierig, da das verwendete Objektiv nur ein Baustein von vielen ist. Trotzdem habe ich untersucht, wie die Linsen, bei sonst gleichen Bedingungen rendern.

A

B

C

 
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A = Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA *

B = Voigtländer Ultron 2/35

C = Leica Summicron 2/35

* Die Aufnahme wurde zu einem früheren Zeitpunkt gemacht, was die deutlich unterschiedliche Farb- und Helligkeitsgebung erklärt.

 

Dies ist offentsichtlich die Paradedisziplin des Leica Objektives. Ein wunderschöner weicher Übergang vom scharfen zum unscharfen Bereich. Das Rendering überzeugt auf ganzer Linie. Das Voigtländer ordnet sich kurz dahinter ein, das Rendering ist auch sehr gut. Das Sony wirkt eher flach, wie man es von dem Sharpness Test schon fast erahnen konnte. Das Bild ist sehr klar ohne erkennbare Fehler.  Im Vergleich zu den Erfahrungen mit dem  Sigma 35 F1.4 Art würde ich das Sony zwischen diesem und dem Voigtländer einordnen. Das Sigma habe ich noch klinischer und steriler in Erinnerung.

 

Rendering

Um das Rendering und Bokeh im Gesamten zu vergleichen habe ich eine Einstellung gewählt, welche Schärfeverlauf und Bokeh Balls im Zusammenspiel zeigt. Ich habe Aufnahmen je nach Objektiv zwischen F1.4 und F5.6 gemacht, hier vergleichen möchte ich nur die Aufnahme bei F2. Die anderen können HIER in voller Auflösung kostenfrei zur persönlichen Analyse gedownloaded werden.

A

B

C

 
Welches Bokeh gefällt besser? Für die Auflösung der Zuordnung einfach aufklappen.

A = Leica Summicron 2/35

B = Voigtländer Ultron 2/35

C = Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA 

Das Leica zeigt hier wieder den besten Schärfeverlauf, aber die Spitzlichter sind so dominat und lenken extrem vom Motiv ab, ein sehr enttäuschendes Ergebnis. Das Voigtländer und Sony unterschieden sich eher im Schärfeverlauf, die Spitzlichter sind sehr ähnlich. Wenn man den hinteren Blumentopf vergleich sieht man auch recht gut, was die Unterschiede in der räumlichen Wirkung ausmachen.

 

Das Leica verschwimmt weniger als die Wettbewerber und erzeugt damit höhere Kontraste, welche für mehr Räumlichkeit sorgen. Das Sony zeichnet viel weicher mit weniger Kontrast. Das Voigtländer liegt genau zwischen den beiden Kontrahenten.

 

Voigtländer Ultron 1.7/35 @F8 ISO100 1/100s

 

Portrait

immer wieder lese ich von Diskussionen darüber, ob die totale Korrektur von Objektiven zu flachen "eindemensionalen" Bildern führt. Es gibt sehr interessante Ausarbeitungen, in denen gerade ältere wenig komplexe Optiken besser rendern und zu plastischeren Aufnahmen führen sollen. Die Auswahl des Leica Summicron 2/35 ist dabei nicht ganz zufällig entstanden. Ich habe eine Studioaufnahme erstellt, um die Bedingungen gleich zu halten. Der Hintergrund ist einfarbig schwarz, um möglich wenig Ablenkung zu verursachen. Alle drei Aufnahmen wurden mit F4 erstelllt. Dies erzeugt eine ausreichenden Schärfeebene im Gesicht und gleichzeitig noch einen Schärfeverlauf am Kopf.

 

A

B

C

 
 

Ich habe lange die Bilder betrachtet und für mich meine Rückschlüsse daraus gezogen. Als erstes fällt auf, dass Aufnahme C farblich deutlich wärmer und gelblicher als der Rest ist. Auch würde ich der Aufname die geringste Plastizität  zusprechen, der Kopf wirkt für mich "flacher". B zeichnet etwas kühler als A und wirkt am plastischsten von den 3 Aufnahmen, wenn auch nicht viel. Im Gesamten gefällt ich Aufnahme A am meisten.

Ein close Look auf die Aufnahmen bringt die Details zum Vorschein.

Ich denke in Punkto Details gibts nichts zu meckern, selbst auf A3 sollten keine großen Unterschiede zu sehen sein. Aber es muss klar festgestellt werden, dass A die meisten Details zeigt, B ist am schlechtesten. Die Aufnahme C ist deutlich kontrastreicher.

 
Welches Rendering ist das Schönste? Zum Auflösend er Zuordnung bitte klicken.

A = Voigtländer Ultron 2/35

B = Leica Summicron 2/35

C = Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA 

 


 

Landscape

Nich unerheblich für eine so universelle Brennweite wie ein 35mm Objektiv ist die Performance auf unendlich. Leider meinte es das Wetter mit mir nicht gut in dem Testzeitraum, sodass ich nur eine, sagen wir wenig ansehnliche Vergleichsaufnahme zeigen kann.

 

Sony FE35F14Z@F8

Voigtländer 1.7/35@F8

Leica Summicron 2/35@F8

 

Wenn man jetzt die Ausschnittsvergrößerung betrachtet, bestätigt sich die Erwartung aus dem Schärfe Test. Das Voigländer zeichnet außermittig am Schärfsten. Sony und Leica sind auf einem Niveau.

 

Das Leica und Voigtländer Objektiv zeigen an der Sony A7RM2 eine leichte Bildfeldwölbung beim Fokus auf unendlich. Diese lässt sich abschwächen in dem der Fokus eher beim Bildrand eingestellt wird, dann lässt die Mitte minimal nach der Rand gewinnt an Schärfe. Dieser Effekt ist zumindest beim beim Voigrtländer so gring, dass ich ihn für mich vernachlässigen kann.

 

 

 

Fazit

Zu welchen Ergebnis führen uns diese gewonnen Erkenntisse?

Leica Summicron 2/35 @F2
Das Leica ist in meinen Augen eine sehr spezielle Linse. Zum einen performt die Linse an der A7RM2 besser als ich erwartet hätte, zum anderen enttäuscht mich das Bokeh. Neben den dominanten Spitzlichtern erzeugt sie auch recht häufig unschöne Doppellinien im Out Of Focus Bereich.
"King of Bokeh", diesen Namen hat sie wirklich nicht verdient. Es gibt sicher Szenarien weit ab von Grünzeug, bei der sich mit diese Linse tolle Ergebnisse erzielen lassen, aber im Allgemeinen? 
Zudem ist sie für mein Empfinden zu klein, zu "zerbrechlich". Ihr Einsatzgebiet ist die Streetfotografie.
Diese Linse ist für Sammler und Leica Fotografen, die eine "preiswerte" Linse an ihrer M suchen. Gebrauchtangebote zwischen 1100 und 1500€ sind meiner Meinung nach an der A7RM2 fehlinvestiert.

 

Sony FE35F14Z @F1.4Das Sony ist ein gutes Objektiv und zeichnet offenblendig bereits sehr scharf und hat kaum Objektivfehler. Leider ist die Linse sehr groß und schwer. Im Vergleich zum leistungstechnisch ebenbürtigen Voigtländer zu groß und zu schwer. Dafür bietet die Linse eine Blende mehr Licht. Die kurze Naheinstellgrenze erlaubt mehr kreative Freiheit, außerdem ist das Objektiv von den drein am besten für Architektur und Lanschaftsaufnahmen geeignet. 
Im Peak ist das Voigtländer zwar etwas schärfer, aber ob dies im fertigen Bild sichtbar ist? Sehr unangenehm fallen die Bokeh Balls bei einer gewissen Größe auf. Dies trübt die sonst gute Leistung erheblich. Das Rendering ist leider unspektakulär, wenn auch nicht schlecht.

Was wirklich negativ auffällt ist die Qualitätskontrolle bei dem Objektiv, die Linse gibt es schon eine Weile und nichts destotrotz leiden aktuelle Produktionsreihen an dem Phänomen.

An der Stelle muss ich Amazon für den hervorragend Kundenservice danken!

Edit: Leider haben sich im nachhinein durch den Vorfall sehr unangenehme Nachwirkungen mit Amazon ergeben. Die wiederholte Rücksendung an Amazon hat mich bei meinem Standardversandhändler in Ungnade fallen lassen und mir wurde mit Kündigung meines Kundenkontos gedroht. Da sich die Streuung bei der Linse bis jetzt noch nicht nachhaltig verbessert hat (hier ein Test dazu von LensRentals, siehe Grafik oberhalb der Zusammenfassung), muss ich an der Stelle empfehlen, den Fachhandel sein vertrauens aufzusuchen, um ähnlich gelagerte Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Da hat man die Möglichkeit die Ware vor Ort zu testen. Preislich bietet Amazon heute zu Tage keine Vorteile mehr gegenüber dem Fachhandel, eher im Gegenteil. Ich konnte meine G Master Objektive deutlich schneller und günstiger im Dresdener Fachhandler erwerben.

 

Die Überraschung des Tages steckt für mich im Voigtländer Ultron 1.7/35. Wieviel Leistung in diesem winzigen Teil steckt ist durchaus beachtlich. Die geringe Größe und das geringe Gewicht machen diese Linse sehr flexibel einsetzbar. Selbst mit Adapter ist die Optik nur halb so teuer wie die Konkurrenten. Klar, wenn man Autofokus an in dem Bereich benötigt, kommt man eigentlich um das Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA  nicht herum. Das Sony FE35F28 ist zwar nicht schlecht, klein, leicht und preiswerter, aber performt auch zwei Klassen unter dem 1.4'er.
Meine Empfehlung an der Stelle, so man mit manuell Fokus leben kann und nicht primär Landschafts und Architektur Fotografie betreiben möchte, ist klar das Voigtländer!

 


 

Beispielbilder

Voigtländer Ultron 1.7 / 35

Voigtländer Ultron 35mm/F1.7 @F1.7 Voigtländer Ultron 35mm/F1.7 @F1.7 Voigtländer Ultron 35mm/F1.7 @F1.7

Sony Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA 

Leica Summicron 2/35

 

 

 

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